Ein SLS-Schalter (Selektiver Hauptleitungsschutzschalter) sitzt im Zählerschrank vor dem Stromzähler und schützt die Hauptleitung vom Netzanschluss zum Zähler. Bei einer PV-Nachrüstung mit Speicher verlangen viele Netzbetreiber einen SLS, wenn die vorhandene Hausanschlusssicherung fehlt oder der Zählerplatz modernisiert wird. Ob und in welcher Ausführung er nötig ist, richtet sich nach den Technischen Anschlussbedingungen (TAB) Ihres Netzbetreibers. Der Einbau ist ausschließlich Sache einer Elektrofachkraft, da hier an spannungsführenden Teilen vor dem Zähler gearbeitet wird.
Wer eine Photovoltaik-Anlage oder einen Stromspeicher nachrüstet, stößt beim Blick in den Zählerschrank oft auf einen Begriff, den Netzbetreiber und Elektriker wie selbstverständlich verwenden: den SLS-Schalter. Dieser Ratgeber erklärt in verständlicher Sprache, was ein SLS-Schalter ist, welche Aufgabe er im Zählerschrank übernimmt, wann Ihr Netzbetreiber ihn im Zuge einer PV-Nachrüstung verlangt und warum der Einbau ausschließlich in die Hände einer Elektrofachkraft gehört.
Was ist ein SLS-Schalter?
SLS ist die Abkürzung für Selektiver Leitungsschutzschalter, im Sprachgebrauch auch Selektiver Hauptleitungsschutzschalter genannt. Er sitzt im Zählerschrank direkt hinter dem Hausanschlusskasten und vor dem Stromzähler. Seine Aufgabe ist der Schutz der sogenannten Hauptleitung, also der Leitung, die vom Hausanschluss zum Zähler und weiter zur Unterverteilung führt.
Der Zusatz “selektiv” beschreibt das Zusammenspiel mit den nachgelagerten Sicherungen. Kommt es in einem einzelnen Stromkreis zu einem Kurzschluss, soll möglichst nur die dafür zuständige, untergeordnete Sicherung im Verteiler auslösen und nicht gleich der gesamte Hausanschluss abgeschaltet werden. Der SLS-Schalter ist so abgestimmt, dass er erst reagiert, wenn ein Fehler tatsächlich die Hauptleitung betrifft. Dadurch bleibt bei einem lokalen Defekt der restliche Haushalt in der Regel weiter mit Strom versorgt.
Vom Leitungsschutzschalter im Wohnungsverteiler unterscheidet sich der SLS also in zwei Punkten: Er sitzt eine Ebene weiter oben im Anschlussbereich, und er ist für deutlich höhere Nennströme ausgelegt.
Welche Rolle spielt der SLS-Schalter bei der PV-Nachrüstung?
Bei einer PV-Anlage mit Einspeisung und erst recht bei einem zusätzlichen Heimspeicher verändert sich die Belastungssituation im Zählerschrank. Es fließt nicht nur Strom aus dem Netz ins Haus, sondern auch Strom aus der Anlage zurück ins Netz, und der Speicher kann kurzzeitig hohe Lade- und Entladeströme verursachen.
Viele Netzbetreiber verlangen deshalb, dass der Zählerplatz einem aktuellen technischen Stand entspricht. In der Praxis heißt das häufig, dass ein SLS-Schalter als definierter Hauptschutz vorhanden sein muss, wenn er bislang fehlt. Der SLS erfüllt dabei mehrere Funktionen zugleich:
- Er dient als Hauptschalter, mit dem sich die gesamte Anlage hinter dem Zähler freischalten lässt.
- Er stellt den Leitungsschutz für die Hauptleitung sicher.
- Er sorgt für Selektivität, sodass ein Fehler in einem Stromkreis nicht den kompletten Anschluss lahmlegt.
Ob im konkreten Fall ein SLS gefordert ist, ergibt sich aus den Technischen Anschlussbedingungen und dem Zustand Ihres Zählerschranks, nicht aus einer pauschalen Regel.
Welche Nennstromstärke braucht der SLS-Schalter?
Ein häufiges Missverständnis ist die Annahme, es gäbe “den einen” SLS-Schalter. Tatsächlich wird die passende Nennstromstärke individuell für jeden Hausanschluss festgelegt. Im privaten Bereich haben sich am Markt einige Klassen etabliert, die bei Ein- und Mehrfamilienhäusern immer wieder auftauchen:
| Nennstromstärke | Typisches Einsatzfeld (qualitativ) |
|---|---|
| 35 A | Kleinere Hausanschlüsse, ältere Bestandsgebäude mit geringerem Leistungsbedarf |
| 50 A | Mittlere Hausanschlüsse, verbreitet bei Ein- und Zweifamilienhäusern |
| 63 A | Größere Hausanschlüsse, häufig bei modernisierten Zählerplätzen und bei zusätzlicher PV- oder Speicherleistung |
Diese Tabelle dient nur der Orientierung. Welche Klasse tatsächlich benötigt wird, hängt von der vorhandenen Hausanschlusssicherung, der geplanten Gesamtleistung von PV-Anlage, Speicher und sonstigen Verbrauchern sowie den Vorgaben des Netzbetreibers ab. Diese Zuordnung trifft ausschließlich die Elektrofachkraft in Abstimmung mit dem Netzbetreiber, eine Auswahl auf eigene Faust ist nicht vorgesehen und wegen der Lage im plombierten Bereich auch nicht zulässig.
Bauformen und verbreitete Hersteller
SLS-Schalter für den Einsatz im Zählerschrank sind praktisch immer für die Hutschienen-Montage ausgelegt und dreipolig aufgebaut, da sie alle drei Außenleiter der Hauptleitung gemeinsam schalten und absichern müssen. Gebräuchlich ist dabei die sogenannte E-Charakteristik, eine Auslösecharakteristik, die auf das selektive Zusammenspiel mit den nachgelagerten Sicherungen im Verteiler abgestimmt ist.
Am deutschen Markt für Zählerschrank-Komponenten sind unter anderem Hersteller wie Hager, ABB, Siemens und Eaton verbreitet, deren SLS-Schalter in vielen Zählerschränken zu finden sind. Konkrete Modelle, Ausstattungsmerkmale und Preise unterscheiden sich zwischen den Herstellern und sind an dieser Stelle nicht pauschal zu bewerten. Welcher Hersteller und welches Modell im Einzelfall zum Einsatz kommt, entscheidet die Elektrofachkraft anhand der baulichen Gegebenheiten, der Vorgaben des Netzbetreibers und der Verfügbarkeit passender Zubehörteile für den jeweiligen Zählerschrank.
Wann verlangt der Netzbetreiber einen SLS-Schalter?
Eine bundesweit einheitliche Grenze, ab der ein SLS zwingend ist, gibt es nicht. Maßgeblich sind die Technischen Anschlussbedingungen (TAB) des jeweiligen Netzbetreibers, die sich regional unterscheiden. Typische Situationen, in denen ein SLS-Schalter gefordert wird, sind:
- Modernisierung des Zählerschranks: Wird der Zählerplatz im Zuge der PV-Installation ohnehin erneuert, verlangen viele Netzbetreiber gleich den heute üblichen Aufbau mit SLS-Schalter.
- Fehlende oder unpassende Hausanschlusssicherung: Ist keine geeignete Absicherung der Hauptleitung vorhanden, schließt der SLS diese Lücke.
- Vorgabe aus den TAB: Einzelne Netzbetreiber schreiben den SLS für neue Zählerplätze grundsätzlich vor.
Weil die Anforderungen “je nach Netzbetreiber” variieren, sollten Sie sich nicht auf pauschale Aussagen aus Foren verlassen. Ihr Elektrofachbetrieb meldet die Anlage beim Netzbetreiber an und kennt die vor Ort geltenden TAB. Er klärt im Rahmen der Anmeldung, ob und in welcher Ausführung ein SLS-Schalter eingebaut werden muss.
Einbau nur durch die Elektrofachkraft
Der SLS-Schalter sitzt im Bereich vor dem Zähler. Dieser Bereich ist plombiert und liegt in der Verantwortung des Netzbetreibers. Er kann auch dann Spannung führen, wenn im Haus die Sicherungen ausgeschaltet sind. Arbeiten dort sind ausschließlich eingetragenen Elektrofachbetrieben erlaubt, die beim Netzbetreiber registriert sind.
Für Sie als Anlagenbetreiber bedeutet das: Ein SLS-Schalter ist kein Bauteil zum Selbsteinbau. Der Fachbetrieb übernimmt die Auswahl der richtigen Nennstromstärke, die fachgerechte Verdrahtung und die Abstimmung mit dem Netzbetreiber. Er kümmert sich außerdem darum, dass die Selektivität zu den nachgelagerten Sicherungen und zu den Schutzeinrichtungen der PV-Anlage passt.
Neben dem Hauptleitungsschutz ist auf der Gleichstromseite und im Verteiler ein weiteres Schutzkonzept wichtig, etwa die richtige Absicherung der Strings. Welche Sicherungen dort zum Einsatz kommen, erläutert der Ratgeber zu Sicherungen für Solarmodule. Auf der Gleichstromseite selbst übernimmt der DC-Trennschalter eine vergleichbare Funktion als definierte Trennstelle zwischen Modulen und Wechselrichter.
SLS-Schalter und Balkonkraftwerk
Wer nur ein steckerfertiges Balkonkraftwerk betreibt, kommt in aller Regel gar nicht mit dem Thema SLS-Schalter in Berührung. Solche Mini-Solaranlagen speisen über eine haushaltsübliche Steckdose oder eine Wieland-Steckdose in einen bestehenden Stromkreis ein, ohne dass am Zählerschrank selbst etwas verändert wird. Der vorhandene SLS-Schalter, sofern überhaupt einer verbaut ist, bleibt unangetastet.
Relevant wird das Thema erst, wenn im Zuge der PV-Nachrüstung mehr passiert als nur das Aufstellen von ein oder zwei Modulen: Wird beispielsweise der Zählerplatz modernisiert, weil ein digitaler Zähler oder eine größere Anlage mit Einspeisung ansteht, prüft der Netzbetreiber im Rahmen dieser Modernisierung meist den gesamten Zählerschrank einschließlich SLS-Schalter. Für ein reines Balkonkraftwerk ohne weitere bauliche Maßnahmen besteht dieser Zusammenhang üblicherweise nicht. Ob im eigenen Fall eine Wechselwirkung besteht, lässt sich am zuverlässigsten mit dem Elektrofachbetrieb oder direkt beim Netzbetreiber klären.
SLS-Schalter, SH-Schalter und ähnliche Begriffe
In der Praxis kursieren rund um den Zählerschrank mehrere Abkürzungen, die leicht durcheinandergeraten. Neben SLS taucht gelegentlich auch die Bezeichnung SH-Schalter auf, häufig im Zusammenhang mit Schaltgeräten im Anschlussbereich vor dem Zähler. Welche genaue Bezeichnung und Ausführung im Einzelfall verwendet wird, ist regional und je nach Netzbetreiber unterschiedlich, da die Technischen Anschlussbedingungen keine bundeseinheitliche Terminologie vorschreiben.
Für Sie als Anlagenbetreiber ist die genaue Bezeichnung letztlich zweitrangig. Entscheidend ist, dass im Bereich vor dem Zähler ein normgerechter Hauptleitungsschutz vorhanden ist, der von Ihrem Netzbetreiber akzeptiert wird. Welcher Begriff und welches konkrete Bauteil dafür in Ihrer Region üblich sind, klärt die Elektrofachkraft im direkten Austausch mit dem zuständigen Netzbetreiber. Verlassen Sie sich bei abweichenden Begriffen aus Foren oder Herstellerunterlagen im Zweifel lieber auf diese fachliche Einschätzung als auf pauschale Zuordnungen.
Kurz zusammengefasst
Der SLS-Schalter ist der selektive Hauptleitungsschutz im Zählerschrank, der die Hauptleitung absichert und zugleich als Hauptschalter dient. Bei der Nachrüstung einer PV-Anlage oder eines Stromspeichers verlangen ihn viele Netzbetreiber, vor allem wenn der Zählerplatz modernisiert wird oder eine geeignete Hausanschlusssicherung fehlt. Ob er in Ihrem Fall Pflicht ist, entscheidet sich anhand der Technischen Anschlussbedingungen Ihres Netzbetreibers. Planen Sie den Punkt früh ein und überlassen Sie den Einbau grundsätzlich Ihrem Elektrofachbetrieb, denn im Bereich vor dem Zähler ist die eigene Hand tabu. Wie sich der SLS-Schalter vom NA-Schutz und vom DC-Trennschalter abgrenzt, sowie Hinweise zur Netzanbindung von PV-Anlagen und zum Potentialausgleich runden das Bild zur Anmeldung beim Netzbetreiber ab.
Häufige Fragen
Was ist ein SLS-Schalter?+
SLS steht für Selektiver Hauptleitungsschutzschalter. Er ist ein Schutzschalter, der im Zählerschrank vor dem Stromzähler sitzt und die Hauptleitung zwischen Hausanschlusskasten und Zähler absichert. Selektiv bedeutet, dass er so abgestimmt ist, dass bei einem Fehler zuerst die nachgelagerte Sicherung im Stromkreis auslöst und nicht sofort der gesamte Hausanschluss abgeschaltet wird.
Brauche ich für meine PV-Anlage zwingend einen SLS-Schalter?+
Nicht in jedem Fall. Ob ein SLS-Schalter erforderlich ist, hängt von den Technischen Anschlussbedingungen Ihres Netzbetreibers und dem Zustand Ihres Zählerschranks ab. Viele Netzbetreiber verlangen einen SLS, wenn der Zählerplatz erneuert wird oder keine geeignete Hausanschlusssicherung vorhanden ist. Verbindlich klärt das Ihr Elektrofachbetrieb im Abgleich mit dem Netzbetreiber.
Darf ich einen SLS-Schalter selbst einbauen?+
Nein. Der SLS-Schalter sitzt im Bereich vor dem Zähler, der plombiert ist und unter der Hoheit des Netzbetreibers steht. Arbeiten dort dürfen nur eingetragene Elektrofachbetriebe ausführen. Ein Selbsteinbau ist nicht zulässig und gefährlich, weil dieser Anlagenteil auch bei ausgeschaltetem Zähler unter Spannung stehen kann.
Worin unterscheidet sich der SLS-Schalter von einer normalen Sicherung im Verteiler?+
Die Leitungsschutzschalter im Verteilerkasten sichern einzelne Stromkreise in der Wohnung ab, etwa Steckdosen oder Beleuchtung. Der SLS-Schalter sitzt eine Stufe davor und schützt die gesamte Hauptleitung mit deutlich höherer Nennstromstärke. Durch seine selektive Auslösecharakteristik löst bei einem Kurzschluss möglichst nur die betroffene, untergeordnete Sicherung aus.
Was kostet der Einbau eines SLS-Schalters?+
Die Kosten hängen stark davon ab, ob nur der Schalter ergänzt wird oder der gesamte Zählerschrank modernisiert werden muss. Ein einzelner SLS-Schalter ist als Bauteil vergleichsweise günstig, der größere Aufwand steckt meist in der Umverdrahtung und einer eventuellen Zählerschrank-Erneuerung. Ein verbindliches Angebot erhalten Sie von Ihrem Elektrofachbetrieb.
Hat der SLS-Schalter mit dem NA-Schutz zu tun?+
Nein, das sind zwei verschiedene Dinge. Der SLS-Schalter ist reiner Leitungsschutz für die Hauptleitung. Der [Netz- und Anlagenschutz (NA-Schutz)](/ratgeber/na-schutz-pv-anlage/) trennt die PV-Anlage bei Netzstörungen vom öffentlichen Netz. Beide können im selben Anlagenumfeld auftauchen, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben.
Welche Ampere-Größe ist beim SLS-Schalter üblich?+
Im privaten Hausanschlussbereich sind Nennstromstärken von 35 A, 50 A und 63 A gebräuchlich, wobei 63 A bei Ein- und Zweifamilienhäusern häufig anzutreffen ist. Welche Größe im konkreten Fall passt, richtet sich nach der vorhandenen Hausanschlusssicherung und den Vorgaben des Netzbetreibers und wird von der Elektrofachkraft festgelegt, nicht pauschal aus einer Tabelle abgelesen.
Wer darf den SLS-Schalter plombieren oder tauschen?+
Das Plombieren und der Tausch des SLS-Schalters sind ausschließlich Sache eines beim Netzbetreiber eingetragenen Elektrofachbetriebs. Der Bereich vor dem Zähler untersteht der Hoheit des Netzbetreibers, die Plombe darf nur von autorisierten Personen entfernt und neu gesetzt werden. Ein eigenmächtiges Aufbrechen der Plombierung ist nicht zulässig.